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Die Hände des Tages
Las manos del día (1968)

Von der Abnutzung der Tage

Glatt ist der Tag, geschmeidig,
ein Achat, eine Zitrone,
eine weggeglittene Traube,
sein Dienst war Aufbruch.

Vom vielen Ausziehen aus der Nacht,
vom vielen Wiederkommen
wurde der Tag zu Bernstein,
wurde zu reiner Materie.
So wie vielbenutzte Messer
dünn werden an Griff und Klinge,
sich anders anfassen,
sah ich, wie dieser Tag bei seiner Rückkehr
von einer langen Fahrt durch die Nacht
in ein blaues Messer verwandelt war,
in ein Werkzeug des Mondes.

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Platsch

Tinte, du hältst mich hin
Tropfen um Tropfen
und nimmst meiner Vernunft
und meiner Unvernunft Spur in dich auf,
wie eine lange Narbe, die kaum
zu sehen ist, sobald der Körper schläft
im Fortgang seines Zerstörungswerks.

Vielleicht hätte ich dich Essenz
besser in einen Kelch
gegossen und alles auf eine
einzige Seite gekippt: ein Klecks,
ein einziger grüner Stern,
und dieser Klecks wäre
alles gewesen,
was ich mein Lebtag geschrieben hätte,
nicht buchstabierbar und nicht auslegbar,
ein einziges dunkles, wortloses
Platsch.

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Nicht alles am Tag ist heute

Etwas von gestern klebt noch am Heute,
die Scherben eines Krugs, ein Zipfel von einer Fahne
oder schlicht das Wissen ums Licht,
eine Alge im Aquarium der Nacht,
ein unverbrannter Docht,
blanker Starrsinn, Luft aus Gold -
etwas vom Vergangenen besteht fort,
verdünnt, und stirbt in den Pfeilen
der schießwütigen Sonne und ihren Kämpfen.

Wenn das gestern nicht fortlebt
im blendenden Freiheitsdrang
des herrischen Tages,
an dem wir leben,
warum machen die Möwen in ihrer Pracht
dann kehrt, als zauderten sie
und mengten ihr Blau in das Blau,
das bereits verflogen?

Meine Anwort.

Im Innern des Lichts
kreist deine Seele,
abklingend bis zum Erlöschen,
anschwellend wie ein Geläut.

Und zwischen Sterben und Neuerstehen
ist gar nicht soviel
Raum und ist so scharf auch die Grenze
nicht gezogen.
Das Licht ist rund wie ein Ring,
und wir bewegen uns in seiner Bewegung.

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Der Schatten

Noch komme ich nicht wieder,
bin nicht wieder da,
reise im Innern
des Weltbrands:
Im Innern dieser
Ader
zog das Blut seine Bahn,
und ich dringe nicht vor
zu mir selber.

Ich erkenne die Pflanzen, die lebenden Menschen,
das Geäst der Erinnerung,
den Gruß im Auge der Dinge,
den Schwanz des Hundes.
Ich erkenne die Stille zu Haus, die offen ist
für meine Stimme, und spalte nicht die Wände
mit einem Schrei aus Stein oder aus einer Pistole;
ich gehe über Boden, der meine Füße erkennt,
berühre die Liane, die über
die dunklen Granitbögen gerankt ist,
und rutsche ab an den Dingen,
an der Luft,
denn mein Schatten weilt noch immer woanders,
oder ich bin der Schatten eines, der hartnäckig fortbleibt.

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