Kleine
Rose,
Rose du, kleine
manchmal
winzig und nackt,
als hättest du
Platz
in meiner einen Hand,
als schlösse ich dich drin ein
und führte dich zu meinem Mund,
aber plötzlich
berühren meine Füße die deinen,
und mein Mund berührt deine Lippen,
gewachsen bist du,
deine Schultern heben sich wie zwei Hügel,
deine Brüste schlendern über meine Brust,
mein Arm kann kaum die schlanke
Neumondlinie deiner Taille umfassen:
in der Liebe, wie Meerwasser brandend, brichst du aus:
kaum noch ermessen kann ich die gewaltigsten Augen des Himmels,
und neige mich zu deinem Mund, die Erde zu küssen.
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Ich hab dich zur Königin ernannt.
Größere gibt es, größer als du.
Reinere gibt es, reiner als du.
Schönere gibt es, schöner als du.
Doch du bist die Königin.
Wenn du durch die Straßen gehst,
erkennt dich keiner.
Niemand sieht deine Krone aus Kristall, niemand schaut
den Teppich aus rotem Gold,
den jeder Schritt von dir betritt,
den Teppich, der gar nicht da ist.
Und wenn du erscheinst,
rauschen alle Flüsse
in meinem Körper auf, rütteln
die Glocken am Himmel,
und ein Hymnus erfüllt die Welt.
Nur du und ich,
nur du und ich,
mein Lieber,
hören ihn tönen.
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Wenn deine Hände, Liebe,
meinen entgegenkommen,
was bringen sie mir, fliegend?
Warum hielten sie plötzlich
Inne auf meinem Mund?
Wie erkenne ich sie,
als hätte ich sie damals,
früher schon mal berührt,
und als wären sie früher,
ehe sie selber waren,
mir schon über die Stirne,
über die Hüfte gestreift?
Ihre Sanftheit kam her,
fliegend über die Zeit,
über das Meer, den Rausch,
über den Frühling flügelnd,
und als du deine Hände
mir auf die Brust gelegt,
erkannte ich die Flügel
der goldenen Taube,
erkannte ich die Kreide
und die Farbe von Weizen.
Mein ganzes Leben habe
ich nach ihnen gesucht.
Treppen stieg ich empor,
ging über Pflasterstraßen,
Züge trugen mich fort,
Wasser brachten mich her,
und auf der Haut der Trauben
meinte ich dich zu fühlen.
Das Holz gab unversehens
mir Berührung mit dir,
und die Mandel verhieß mir
deine heimliche Sanftheit,
bis deine Hände sich
schlossen auf meiner Brust,
um hier nun wie zwei Flügel
zu beenden die Reise.
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Die ganze Nacht hab ich geschlafen mit dir,
nahe dem Meer, auf der Insel.
Wild und lieblich warst du im Wechsel von Lust und Schlaf,
im Wechsel von Feuer und Wasser.
Vielleicht vereinten sich
spät, sehr spät unsere Träume,
hoch droben oder tief drunten,
in der Höhe wie Zweige, vom selben Wind bewegt,
in der Tiefe wie rote Wurzeln, einander berührend.
Vielleicht trennte sich
dein Traum von dem meinen
und suchte mich
auf dem dunklen Meer
wie einstens,
als es dich noch nicht gab,
als ich, ohne dich zu gewahren,
dicht an dir vorüberfuhr,
und deine Augen suchten,
was ich nunmehr
- Brot, Wein, Liebe und Zorn -
mit vollen Händen dir gebe,
denn du bist der Becher,
wartend auf die Gaben meines Lebens.
Ich habe mit dir geschlafen
die ganze Nacht, während
die dunkle Erde sich drehte
mit Lebenden und mit Toten,
und beim Erwachen, jählings,
inmitten der Dunkelheit
umfaßte mein Arm deine Hüfte.
Weder die Nacht noch der Traum
konnten uns beide trennen.
Ich hab mit dir geschlafen,
und beim Erwachen gab dein Mund,
eben dem Traum entkommen,
mir den Geschmack von Erde,
von Meereswasser, von Algen,
vom Grund deines eignen Lebens,
und ich erhielt einen Kuß,
benetzt von der Morgenröte,
als käme er mir vom Meer,
das hier uns umspült.
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Schöne,
wie im kühlen Gestein
das Wasser des Quells
als ein üppiger Blitz aus Gischt entspringt,
so ist das Lächeln in deinem Gesicht,
du Schöne.
Schöne,
mit feinen Händen und schlanken Füßen
wie ein Silberpferdchen,
leichten Ganges, Blüte der Welt,
so sehe ich dich,
du Schöne.
Schöne,
mit einem kupfernen Wuschelnest
auf deinem Kopf, einem Nest
von der Farbe dunklen Honigs,
worin mein Herz lodert und ruht,
du Schöne.
Schöne,
deine Augen haben nicht Raum genug in deinem Gesicht,
nicht Raum genug auf der Erde.
Länder gibt es, Flüsse gibt es
in deinen Augen,
mein Vaterland ist in deinen Augen,
ich durchwandere sie,
sie spenden Licht der Welt,
die ich durchwandere,
du Schöne.
Schöne,
deine Brüste sind wie zwei Brote,
aus Kornerde und Goldmohn gemacht,
du Schöne.
Schöne,
deine Taille,
sie wurde geformt von meinem Arm,
wie von einem Fluß, der tausend Jahre lang
deinen lieblichen Leib umströmte,
du Schöne.
Schöne,
nichts läßt sich vergleichen mit deinen Hüften,
vielleicht hat die Erde
irgendwo an geheimem Ort
die Wölbung und den Duft deines Körpers,
irgendwo vielleicht,
du Schöne.
Schöne, meine Schöne,
deine Stimme, deine Haut, deine Nägel,
Schöne, meine Schöne,
dein Sein, dein Licht, dein Schatten,
Schöne,
dies alles ist mein, Schöne,
all dies ist mein, du Meine,
wenn du gehst oder ruhst,
wenn du singst oder schläfst,
wenn du leidest oder träumst,
immer,
wenn du nahe bist oder fern,
immer
bist du mein, meine Schöne,
immer.
# # #
In die Nacht werden wir dringen,
um einen blühenden
Zweig zu stehlen.
Wir werden die Mauer übersteigen,
im Dunkel des fremden Gartens,
zwei Schatten im Schatten.
Noch ist der Winter nicht vorbei,
und der Apfelbaum erscheint
jählings verwandelt:
ein Wasserfall duftender Sterne.
In die Nacht werden wir dringen,
bis hinauf an ihr zitterndes Firmament,
und deine kleinen Hände und die meinen
werden die Sterne stehlen.
Und heimlich,
zu unserem Haus,
in Nacht und Dunkel,
wird dringen mit deinen Schritten
der lautlose Schritt des Duftes
und mit Sternenfüßen
der lichte Leib des Frühlings.
# # #
Kaum hab ich dich verlassen,
gehst du mit in mir, kristallklar
oder zitternd
oder unruhig, verletzt durch mich selbst,
oder erfüllt von Liebe, wie wenn deine Augen
sich schließen über der Gabe des Lebens,
die ich unablässig dir reiche.
Meine Liebe,
wir haben uns gefunden
voller Durst, und wir haben
uns getrunken, alles Wasser und das Blut,
wir haben uns gefunden
voll Hunger
und haben uns gebissen,
wie das Feuer beißt,
Wunden uns hinterlassend.
Aber warte auf mich,
bewahre mir deine Süße,
ich werde dir auch
eine Rose geben.
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Ich bin der Tiger.
Laure auf dich im Laub,
zwischen Blättern, so strotzend
wie Barren feuchten Erzes.
Der weiße Fluß schwillt an
unterm Nebel. Du kommst.
Nackt tauchst du unter.
Ich warte.
Und dann, in einem Sprung
von Feuer, Blut und Zähnen,
reißt ein Prankenhieb dir
die Brust, die Hüften nieder.
Ich trinke dein Blut, breche
dir deine Glieder, einzeln.
Und dann halte ich Wache
im Urwald, jahrelang,
bei deinen Knochen, deiner
Asche, regungslos,
fern dem Haß und dem Zorn,
entwaffnet durch deinen Tod,
von Lianen umwuchert,
regungslos unterm Regen,
unerbittlicher Wächter
bei meiner Mörderliebe.
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Was vor mir war,
weckt keine Eifersucht.
Komm mit einem Mann
auf dem Rücken,
komm mit hundert Männern in deiner Mähne,
komm mit tausend Männern zwischen deiner Brust und
deinen Füssen,
komm wie ein Fluss
voller Ertrunkener,
der den rasenden Ozean findet,
den ewigen Gischt, die Zeit!
Bring sie alle her,
wo ich dich erwarte:
immer werden wir einzig sein,
immer nur du und ich
allein auf der Erde,
um das Leben zu beginnen!
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Wenn dein Fuß noch einmal fehlgeht,
wird er abgehauen.
Wenn deine Hand dich
auf einen anderen Weg führt,
fällt sie verfault zu Boden.
Wenn du mir dein Leben entziehst,
stirbst du
bei lebendigem Leibe.
Als Tote oder als Schatten
wirst du ohne mich dann durch die Welt gehn.
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Wenn du mich vergißt
Ich möchte, daß du
eines weißt.
Du weißt ja, wie das ist:
Betrachte ich
den kristallenen Mond, den roten Zweig
des säumigen Herbstes an meinem Fenster,
berühre ich
beim Feuer
die ungreifbare Asche
oder die runzligen Körper des Holzes,
bringt mich das alles zu dir,
als wäre alles, was da ist,
Düfte, Licht, Metalle,
nichts andres als ein Schwarm kleiner Schiffe,
hinsegelnd zu deinen Inseln, die mich erwarten.
Nun aber,
wenn du allmählich aufhörst, mich zu lieben,
werde ich aufhören, dich zu lieben, allmählich.
Wenn du auf einmal
mich vergißt,
suche nicht nach mir,
denn ich werde dich schon vergessen haben.
Scheint er dir lang und irre lodernd,
der Fahnenwind,
der mein Leben durchweht,
und entscheidest du dich,
mich auszusetzen am Rand
des Herzens, in dem ich verwurzelt bin,
so bedenke,
daß am selben Tag,
zur selben Stunde,
ich die Arme erhebe
und meine Wurzeln sich aufmachen,
einen anderen Boden zu suchen.
Doch wenn du
jeden Tag,
jede Stunde
empfindest, daß du für mich bestimmt bist,
mit unverrückbarer Süße,
wenn jeden Tag
eine Blüte aufsprießt zu deinen Lippen, um mich zu suchen,
ach, meine Liebe, ach, Meine,
so wiederholt sich in mir all dies Feuer,
und nichts erlischt in mir, nichts wird vergessen,
meine Liebe nährt sich von deiner Liebe, Geliebte,
und solange du lebst, wird sie in deinen Armen sein,
ohne die meinen zu verlassen.
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Ach, du magst nicht,
dich erschreckt
die Armut,
du magst nicht
mit zerrissenen Schuhen auf den Markt gehn
und heimkommen mit einem alten Kleid.
Liebe, wir lieben nicht,
wie es die Reichen möchten,
das Elend. Wir werden es ausrotten,
es ausreißen wie einen üblen Zahn,
der bis heute das Herz des Menschen plagt.
Aber ich will nicht,
daß du die Armut fürchtest.
Kommt sie, durch meine Schuld, zu deiner Wohnung,
fegt sie dir deine goldnen Schuhe fort,
soll sie nicht fortfegen dein Lachen, das mir das Brot meines Lebens ist.
Kannst du die Miete nicht bezahlen,
geh zur Arbeit mit stolzem Schritt
und denk, Liebe, daß ich dich sehe
und wir zusammen der größte Reichtum sind,
der je auf der Erde zusammenkam.
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Wenn du plötzlich nicht mehr da bist,
wenn du plötzlich nicht mehr lebst,
werde ich weiterleben.
Ich wage es nicht,
wage es nicht zu schreiben:
wenn du stirbst.
Ich werde weiterleben.
Denn wo ein Mensch keine Stimme hat,
hier, meine Stimme.
Wo die Schwarzen geprügelt werden,
kann ich nicht tot sein.
Stecken sie meine Brüder ins Gefängnis,
gehe ich mit ihnen hinein.
Wenn der Sieg,
nicht mein Sieg,
sondern der große Sieg,
kommt,
muß ich, auch wenn ich stumm bin, reden:
ich werde ihn kommen sehen, auch wenn ich blind bin.
Nein, verzeih mir.
Wenn du nicht lebst,
wenn
du, Geliebte, meine Liebe,
wenn du
gestorben bist,
fallen alle Blätter in meiner Brust,
regnen wird´s auf meine Seele Tag und Nacht,
der Schnee wird mein Herz verbrennen,
durch Frost und Feuer, Tod und Schnee werde ich gehen,
meine Füße werden dorthin wollen, wo du schläfst,
aber
ich werde weiterleben,
weil du vor allem von mir wolltest, daß ich
unbeugsam sei,
und, Liebe, weil du weißt, daß ich nicht ein Mensch nur
bin, sondern alle Menschen.
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