Heimat, wieder einmal kehre ich heim an meinen Bestimmungsort.
Aus den Städten komme ich und den Wäldern,
aus dem Meer komme ich, aus allen Sprachen.
Was ich sah, verwahrte ich unter meinen Augen.
Was ich berührt, bargen meine Hände.
Was ich gehört, trage ich,
in die Falten meiner Stirn geschieben, bei mir.
Jünger und zugleich älter
bin ich auch diesmal bei der Rückkehr:
Jünger dank der Liebe, Liebe, Liebe,
älter einfach so, oder weil die Uhren,
die Monate und spitzen Zähne
des Kalenders an mir nagen.
Was ich war in der Ferne, was ich erfuhr,
ich habe es bei mir, lege es,
zu deinen Füßen hier, in deine Haare,
rauh sanfte Geliebte, winzige Heimat.
Immer habe ich dich nur beschenkt,
beschenkt mit dem, was mein war und mir nicht gehörte,
abgenutzt mich für dich wie das Werkzeug, dessen
Erz am Ende in die Erde zurücksinkt.
Unterwegs war ich unter Menschen,
auf Märkten;
in der Elektrizität der Kraftwerke,
las Gedanken auf, Steine, Blumen
und manches mehr, und was immer
ich liebte, meine kleine Heimat, was ich erwarb oder geschenkt bekam,
für dich allein nahm ich´s, zu deiner Zierde,
um dich zu besingen, schmalhüftiges Land.
Wo ich auch hinkam, harrten meiner
Freundschaft, Liebe, Sanftmut,
wo ich auch hinkam, ward ich geehrt,
auf Plätzen aufgestellt,
mit Schmetterlingen überschüttet,
mit Liedern bestirnt,
ausgezeichnet mit Küssen.
Ich sprach: Ich bin nicht, mich gibt es nicht,
faßt mich an, und ihr werdet merken, ich bin nur Erde,
armes Geröll aus Chile, aus Chiles Flüssen,
rollender Gesang, blankgerolltes Herz.
Dank meinem Gesang
erblickten fremde Augen
das lange Band, das Territorium,
den Sand von Arica,
die Nacht überm Schiff, die auch
Antofagastas grauen Schlaf bestimmt,
und weiter unten
das blaue Volk der Trauben,
Kohle unterm Meer, Kohle unter der Erde
und dann, gefangen in der grünen Landschaft
geläutert von Sonne, den vielköpfigen Weizen.
Von deiner Zeit und deinem Leben,
deinem Morgenrot,
deinen Männern und deinen Frauen
hab ich gedichtet und gedichtet, von allen.
Die sturmumtosten Helden
stellte ich samt Wind und Degen
auf ihre stilechten
Sockel
aus Blut und Tau,
und doch war mir
im Umgang mit ihnen
und im Kampf
mein Volk lieber, das mit seinen Händen
die Erde aufbricht
und Kupfer, Salz, Zwiebeln,
Meeresfische, Sulphate,
Schuhwerk, Wein, Bahnen
hervorholt und bewegt, hochwuchtet
und absetzt
ohne Ende.
Keiner steht hier still.
Mein Volk ist Bewegung.
Mein Land eine Straße.
So kehre ich mit meinem Lied
denn heim in meine Heimat,
dabei weiß ich, was mich erwartet.
Nestbeschmutzer wird der Minister sagen,
die Dummen werden die Lüge nachbeten,
und Pachacho, der Wurm, der mit galletriefender Feder
sein "M" auf die Seiten des Mercurio verspritzt,
wird meinen Namen mit seinem Stil bekleckern.
Das Bürschchen, das groß
herauskommen wollte, das mein Brot und mein Wort aß,
wird dienstbeflissen rufen:
"Schnell die Toten gegen seine lebendige
Dichtung zusammenschließen!",
und gießt somit neben meinem Schatten
einen Schwall Unrat auf den bitteren Baum des Neids.
Heimat, verzeih mir dies eine Mal, daß ich
aus der Ferne dir Lorbeer mitbringe.
Vergrab ihn in deinem lichten Boden,
verwahr ihn, wo deine Fahnen wurzeln.
Denk einfach, ich war nie fort, bin nie zurückgekommen,
übertöne meine Stimme, stopf mir den Mund,
laß nicht zu, daß ich berührt oder gesehen werde.
Ich kämpfe längst um anderes:
Nur noch für mein Volk soll
unangetastet bleiben meine unverletzliche Liebe.
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Wie heißt du, fragte einst mich der Baum,
und welches sind deine Blätter?
Der Turm wollte wissen,
wie hoch bist du?
Ich legte mich auf die Erde,
und die fragte nichts, sagte nichts:
Sie weiß alles, weil sie wartet
und von den Wartenden alles gelernt hat:
So viel weiß sie schon, daß es dem Vergessen gleichkommt,
will sagen, es hat keine Grenzen,
kein Ende, kein
Ende, keinen Punkt im Vergessen.
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